Freitag, 28. März 2025

4012 Filterkaffee

 



7:53 a.m.  Nachdem ich mich noch durch etliche Albträume mit dysfunktionalen Bahnhöfen und Zugverbindungen zum Beispiel gekämpft habe, bin ich vorm alarm aufgewacht – zu welchen Waffen sollte ich auch greifen – und versuche mich schlaftrunken und angstverhangen auf den Termin vorzubereiten. Ich meine eh nur Toilette, Waschen, Zähneputzen etc – also nichts Besonderes: ein halbwegs klares Gesicht und einen halbwegs wachen Zustand herzustellen.

Jetzt sitze ich in der Küche und warte, bis das Wasser kocht. Und schon gieße ich den Filterkaffee, der vornehmlich aus falschem Kaffee und nur aus einer Brise echten besteht, auf und beginne zu warten, bis der angekündigte Mensch kommt. Wie ich mich vom Stuhl erhebe und zur Anrichte gehe, um heißes Wasser nachzugießen, habe ich plötzlich und kurz den Eindruck, ein Riese zu sein, der von hoch oben wohlwollend auf das Filterarrangement tief unten hinabblickt, und diese schon öfters auftretenden Wahrnehmungsverschiebungen machen mir allmählich ein wenig Sorgen, aber nicht allzu sehr, denn ich finde sie auch interessant.

Die ersten Schlucke meines Kaffeegebräus wirken trotz geringen Anteils an coffea alltagsstabilisierend, die nachgehangenen Träume sind weitgehend verscheucht und nur mehr als schwacher Hauch gegenwärtig. Zum Essen bin ich noch nicht bereit.

Die Küchenuhr tickt tapfer meine Lebenszeit ab und dieses verlockende Geräusch treibt mich fast wieder in die anderen Gegenden des Bewußtseins, der Erfahrung und der Wahrnehmung. Aber ich bleibe hier (ich kann ja mit meiner verwirrten, unaufgeräumten Seele, meiner strategischen Disziplinlosigkeit und meinem chronischen Energiemangel drüben gar nichts Gescheites anfangen; also bringt das Ganze nicht viel, denn mehr als ein paar albtraumhafte, unkontrollierte Träume und eigenartige Wahrnehmungsflashes schauen dabei nicht heraus).

Ich könnte jetzt mein Vitamin D3 einnehmen. Gute Idee! Mache ich gleich.

Diese vormittägliche Ruhe ist heilsam und nervenberuhigend. Elegisch röchelt der Kühlschrank neben mir und tuckert der morgendliche Hubschrauber über den Häusern, alles klar getaktet von der unermüdlichen Küchenuhr (dabei hat man gar nicht den Eindruck, dass sie sich dabei sehr anstrengt).


(28.3.2025)


Peter Alois Rumpf März 2025 peteraloisrumpf@gmail.com

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