4641 Die Nachmittagssonne
15:05. Die Musik aus den Boxen ist schwermütig, und ich bin schwermütig. Lass mi amoi no d’Sunn aufgeh’ segn zitiert die Zeitung in einem Artikel über Danzer sein Lied. Ich lese das und spüre Tränen aufsteigen. Nur kurz, gleich vorbei, sie haben es nicht nach draußen geschafft. Ich meine, ich könnte jeden Tag in der Früh aufstehen, hinausgehen und wenn die Wetterlage passt, die Sonne aufgehen sehen. Wenn’s Wetter nicht passt, dann immer noch, wie es heller wird. Oder überhaupt aufbleiben, bis es so weit ist. Also? Oder geht es um die Lebenssonne? Ja gut, die meine sinkt. Die ist schon tief gesunken. Und mein Lebensgefühl ist, sie war noch gar nicht richtig oben.
Jetzt verstehe ich meine Berührtheit – obwohl ich das Lied nicht kenne - ein wenig: ich hätte mich in meinem Leben auch gerne als aufsteigend erlebt (Freundchen! Was meinst du?! Könne das mit Selbstmitleid zu tun haben? - der innere Spötter). Ja, schon. Trotzdem würde ich gerne meine Sonne und mein Leben aufgehen sehen; wenigstens einmal.
Die Nachmittagssonne jetzt ist auch schön. Sie verschönert sogar hässliche Gebäude und arbeitet die menschlichen Gestalten draußen am Trottoir so gut und graphisch interessant heraus.
(7.10.2026)
©Peter Alois Rumpf Oktober 2026 peteraloisrumpf@gmail.com

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