Dienstag, 29. September 2026

4625 Freiheit

 



8:36 a.m.  Das Frühstücksmüsli habe ich schon verzehrt und bin wieder unter die warme Decke geschlüpft und damit meine Leserinnen und Leser dazu keine allzu romantischen Vorstellungen aufbauen: das Handy habe ich schon in einer Bauchtasche umgeschnallt. Tränenreiche Niesanfälle suchen mich heim und wollen mich zu einer Schreibunterbrechung – mindestens! - zwingen, aber ich gebe nicht nach und schreibe fast blind weiter, egal, ob es die GötterInnen und SchutzpatroneInnen der Schreibenden oder die der Lesenden sind, die mich abhalten wollen.

Jetzt habe ich brav um Recht und Möglichkeit zu schreiben gekämpft, aber einfallen will mir nichts mehr. Vermutlich habe ich das Pferd von der falschen Seite her aufzuzäumen versucht: es gehört doch zuerst der Inhalt, dann die Form. Auf meinem Abstellgeleise ist mir das aber schon wurscht; so weit weg von jeder gesellschaftlichen, akademischen, religiösen, literarischen oder sonst irgendeiner Relevanz schreibt es sich irgendwie frei und unbekümmert und ich brauche auf überhaupt keine stilistischen oder literarischen oder grammatikalischen oder sonst welche Regeln Rücksicht nehmen (zum Beispiel, dass man nicht dauernd irgend- schreibt und auch nicht ständig die eigene Schreiberei zum Thema macht). Das ist auch eine Art Freiheit, und sei es die wirkungslose Freiheit eines Narren.

Was mir zur wirklichen Freiheit fehlt, ist, dass ich mir noch immer Gedanken und Sorgen mache, was mit meinen Texten nach meinem Tod passieren wird. Wenn ich das loslassen könnte, wäre ich sozusagen „schriftstellerisch“ – ich rede nur auf der Ebene der Freiheit eines Schreibenden – wirklich fröhlich und frei.

Jetzt sind es Hustenanfälle, die mich einbremsen wollen.


(28.9.2026)


©Peter Alois Rumpf    September 2026    peteraloisrumpf@gmail.com

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