4255 Bildungsbürgertum
9:07 a.m. Das Aufstehen fällt mir schwer. Es ist warm in meinem frischluftarmen Zimmer. Ich muß mir mein ständiges Blödeln abgewöhnen, ist mir gerade gekommen. Mein Körper fühlt sich erschöpft an. Ich kämpfe noch gegen den Schlaf. Ich habe mir für heute viel vorgenommen. Ich schließe die Augen, bevor sie mir zufallen. Ein Flugzeug fliegt meinem Aufmerksamkeitshorizont entlang. Ich will ein Licht aufdrehen; es ist mir nicht gleich bewußt, dass es imaginär ist. Ich höre die Tageskinder kommen und die Landschaft, in die ich blicke, ist verschneit. Ich hätte für heute viel vor, aber habe auch genug Zeit – sage ich mir. Vielleicht ist es auch die Jahreszeit. Meine Finger fühlen sich überdimensioniert an, von innen und von außen. Womit habe ich in meiner Gymnasialzeit meine Zeichnungen an die Wand geheftet? Tacker hatten wir keinen. Ich kann mich nicht erinnern. Tixo? Ich weiß es nicht. Mir kommt vor, bald werde ich aufstehen können. Warum habe ich damals nach den Beatles noch Steppenwolf gezeichnet und an der Wand neben meinem Bett aufgehängt? Und warum dann auch den Mozart ganz oben? Von den Beatles war ich ein großer Fan, von Steppenwolf aber kannte ich nur Born To Be Wild. Und das war nicht soo weit oben auf meiner Liste. Und Mozart? Ein Tribut ans Bildungsbürgertum? Bei uns zu Hause wurde der Mozart nicht gehört und ob ich damals eine Symphonie von ihm kannte, bezweifle ich. In der Schule vielleicht (keine klare Erinnerung). Ich bin damals sicher nicht auf Klassik abgefahren, aber fühlte mich als braver Junge vielleicht ein wenig dazu verpflichtet. Na gut, The Nice! Die waren ganz oben auf meiner Liste. Zwar kein Mozart, eher Bach – soweit ich mich erinnern kann – also doch ein gymnasialer Tribut ans Bildungsbürgertum, in das ich hätte aufsteigen sollen, wollen, dürfen (oder doch nicht?)? Okay! Ich bin in der Wirklichkeit angekommen und stehe jetzt zum Frühstück auf.
(21.10.2025)
Peter Alois Rumpf Oktober 2025 peteraloisrumpf@gmail.com

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