Mittwoch, 12. März 2025

4001 Exchange

 



12:58.  In der Kassenhalle der ehemaligen Postsparkasse trinke ich einen doppelten Cappuccino und suche vergeblich nach einer Zeitung. Ein Wahnsinnsstiegenaufgang! Sakrale Unterfütterung und Überhöhung des Bankgeschäfts. Jetzt ist hier die Kunst daheim und das Café, in dem ich sitze und in dem man angeblich lange ungestört sitzen kann. Der Hall ist hier herinnen enorm! Kommt die lockere Künstlerstimmung gegen das Bankgeprotze auf? Ich denke schon, die jungen Leute - von mir aus gesehen sind fast alle jung – sind heutzutage lockerer und hier offensichtlich mehrheitlich fröhlich; ich bin es, der sich noch ein wenig umgewöhnen muß und die tendenzielle Einschüchterung abschütteln. Natürlich hat die Stahl-Glas-Konstruktion der Decke etwas Industrielles, wie eine alte Bahnhofshalle. (Ich bin offenbar noch mit dem Ankommen beschäftigt.) (Jetzt macht er wieder auf sensibel! - der innere Spötter.) Ein bißchen zu exponiert sitze ich, ein Platz mehr im Hintergrund oder an der Seite wäre mir lieber gewesen, aber es war kein anderer frei. Selbstbedienung. Die Leute tragen das Geschirr zurück. Wer wischt hier die Tische ab? (Wurscht! Ich habe das Notizbuch auf meinem linken Oberschenkel meiner überschlagenen Beine liegen.) Mini-Ping-Pong in einer Ecke der Halle. Jetzt wird es auf einmal ziemlich ruhig. Findet jetzt die Heilige Wandlung statt? Oder bloß ein Exchange? Jetzt verstehe ich auch, warum man lange hier sitzen kann: wegen der Selbstbedienung und weil es auch abgelegene Nischen gibt, wie mir gezeigt wurde. Zwei Fautieus (verdammt! wie schreibt man das?) zwei Fauteuils werden hereingetragen und an der Stirnseite der Halle abgestellt. Während ich diese Ereignis notiert habe, sind es schon drei Polstersessel geworden.

Ich wechsle einmal die überschlagenen Beine, bevor sie mir einschlafen (in letzter Zeit schläft er des nachts etwas schlecht – der innere Spötter). An der Halle und ihrer Ausstattung kiefle ich noch herum, aber mein Gemüt beruhigt sich langsam. Im Seitentrakt blinkt eine Neonlampe; weil sich darunter anscheinend ein Kunstobjekt – aus dieser Entfernung kann ich es nicht genau sehen - befindet, weiß ich nicht, ob absichtlich oder wegen eines Defektes (ich habe mich erkundigt! Das Blinken der Leuchtstoffröhre ist vom Künstler mit Absicht so installiert – ich bin richtig stolz auf mich, dass ich auf diese Vermutung gekommen bin).

Jetzt kommt Musik auf; das ist sehr angenehm (sowohl die Tatsache als auch die Musik) und hilft, den architektonischen Einschüchterungs-versuchen stand zu halten. Ah! Jetzt wischt einer vom Café die Tische ab. Gut, auch dafür ist gesorgt. Sagen wir, es genügt für heute? Brechen wir langsam auf? Die Ausstellung dort werde ich mir noch anschauen. Durch kafkaeske Gänge auf der Suche nach einem Klo. Ich werde wieder kommen und alle Möglichkeiten hier ausprobieren.


(12.3.2025)


Peter Alois Rumpf März 2025 peteraloisrumpf@gmail.com

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