4655 Lastwagenretourfahrtwarnsignal
11:38 a.m. 12 478 Schritte bin ich heute schon gegangen und nun raste ich im Weltcafé. Der Stress läßt nicht nach (Handyreparatur, Handyvertragsverlängerung, Internetumstellung – alles nicht von mir initiiert, sondern von außen oder den Umständen aufgezwungen; ich selber würde alles lassen, wie es ist, wenn es funktioniert). Das wird alles teuer. Ich kann mich kaum beruhigen; nur die leichte Erschöpfung nach der langen Stadtwanderung überlagert das Ganze, jedoch ohne es völlig abzudecken. Ohne Handy keine Photos, keine Kommunikation, keine Banküberweisungen (ich habe mich gegen die Umstellung von Tan-Code auf Handy gewehrt; ich wollte das nicht, aber die Bank stellte einfach um). Eine düstere Unruhe liegt in der Luft, etwas Bedrohliches kündigt sich an. Ich habe in dieser Welt keine Chance („Du hast keine Chance, aber nutze sie!“ - der einzige Satz, der ihm im Film Die Atlantikschwimmer von Herbert Achternbusch gefällt - der innere Spötter, der ihn aufmuntern will). Auch die Geräusche sind heute besonders laut, aufgedreht und unangenehm. Die Bilder an der Wand sind scheußlich; heute kenne ich keine Gnade und kein Pardon und kein Entgegenkommen. Ich brauche soziale Sicherheit, um entspannter und großzügiger sein zu können.
Von der Baustelle draußen kommt in Abständen von zirka 6 Sekunden so eine Art Warnton – oder was das ist; in Zeiten wie diesen treten die Posaunen von Jericho unauffälliger, heimlicher, hinterfotziger, als irgend so ein – was weiß ich – Lastwagenretourfahrtwarnsignal getarnt auf, aber wie steter Tropfen den Stein höhlt, werden auch hier die Stadtmauern und mein Schutzwall fallen und mein Dasein endgültig verwüstet werden. Nichts wird übrig bleiben (außer vielleicht deine Texte, die niemanden interessieren und keine Beachtung finden werden – der innere Spötter). Das wäre schon fast egal, wenn ich nur einen ruhigen Lebensabend haben könnte; aber schaut nicht danach aus (leider bist du nicht auf dem Level eines Grillparzer zum Beispiel, denn dann könntest du sagen: „Zwanzig Jahre meines Nachruhms für einen abgesicherten Lebensabend!“ - der innere Spötter). Aber festhalten will ich schon: die kranke Gesundheitskasse hat mir noch nicht einmal meine teilweise Rückvergütung meiner Psychotherapiekosten von Juni, Juli, August ausbezahlt. Mit mir können sie ja soetwas machen und dauernd irgendwelche zusätzlichen Belege, die bisher nie nötig waren, einfordern, die ich schon abgegeben habe, und die Zahlung endlos hinauszögern, mit der hundsgemeinen, nie mir gegenüber persönlich ausgesprochenen, aber strukturellen Unterstellung, dass ich betrüge (würde mich schon interessieren, ob sie bei den Abrechnungen der Patienten der Privatkliniken, die sie seit Neuestem auch unverschämter Weise unterstützen, so kleinlich herumtun). (Ich bin mir nicht sicher, ob das alles so stimmt oder ob seine Behauptungen seiner Panik geschuldet sind. Sicher wurden noch nicht alle Rückvergütungen ausbezahlt, aber welche schon und welche nicht, kann er in seiner Depressions-bedingten Verwirrung nicht mehr punktgenau rekonstruieren - der Tipper.) Ich bin sehr verbittert. Und überfordert. Letzteres war ich immer schon, aber habe tapfer mit meinen geringen Mitteln dagegen gehalten. Jetzt jedoch geht mir die Kraft aus und die Stadtmauern werden einstürzen.
(19.10.2026)
©Peter Alois Rumpf Oktober 2026 peteraloisrumpf@gmail.com

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