4550 In der Lourdesgrotte
10:37 a.m. Jetzt sitze ich in der Kirche des Leibnitzer Kapuzinerklosters (einen Cappuccino habe ich schon intus) und zwar in der Lourdesgrottenkapelle. Und es gefällt mir hier. Das halbrunde Deckengewölbe – dem Querschnitt nach; der längliche Kapellenraum erstreckt sich so gute zehn oder fünfzehn Meter. Und an der Stirnwand die Nische mit der Heiligen Maria ohne Kind, umgeben vom typischen Grottendesign à la Tropfsteinhöhle (ich verkneife mir den Spott, was da und warum es tropft – vielleicht erkläre ich es an anderer Stelle; heute will ich nicht arrogant sein), zwei Engel wachsen aus den Seitenwänden heraus und flattern vergeblich auf die Verehrte zu (im Katholischen wird Maria verehrt, nicht wie eine Göttin angebetet – offiziell). Rechts in einer kleinen Nische der heilige Antonius von Padua mit Kind, und links der heilige Judas Thaddäus, der in Notfällen anzurufen ist. Zwei Beichtstühle, je einer links und rechts. Ein Betstuhl zum Knien in gehörigem Abstand vom Marienaltar. Und viele brennende Kerzen am Gestell davor – der Ort wird offensichtlich gern aufgesucht. (Draußen beginnt es zu tröpfeln – der Tipper.)
Auch hier ist meine „Andacht“ von ständigem Autolärm begleitet – und zwar von außen und von innen – siehe die Anmerkung oben (er meint es so: gestört vom inneren Ego, weil griechisch αύτόϛ/autos selbst heißt. Er kann’s nicht lassen, anzugeben zu versuchen! – der innere Spötter).
Es kommen wirklich ständig BeterInnen herein, was mir gefällt. Was mir auch gefällt: der Preis für eine „Opferkerze“ – das ist ein schwerfälliger, schwermütiger, zu schwerer Begriff für das Licht, das man für sein Anliegen oder nur so, um die lokalen „Götter“ zu würdigen, vor einem Heiligenbild zum Beispiel anzündet – der Preis also ist nicht wie in allen anderen Kirchen vorgegeben, sondern es wird um eine freiwillige Spende gebeten. Also könnte zur Not einer ohne Geld trotzdem eine Kerze zur Unterstützung seines Anliegens bei den Himmelskräften anzünden. Franziskanische Demut hald (sic!).
Irgendwie lustig: links und rechts vom Altar sind Nischen, zu und in denen das Grottendesign vom Lourdesaltar weitergeführt ist. In der rechten Nische befindet sich ein Fenster; in der linken – etwas versteckt, aber offen und letztlich einsichtig – die Besenkammer mit Gießkanne für die vielen Blumenstöcke am Altar.
Den Hauptaltar lasse ich heute aus; offensichtlich dem heiligen Andreas geweiht (und dem Heiligen Kreuz – wie ich recherchiert habe – der Tipper). Ich werde gleich gehen und den steilen Weg hinauf in unser Quartier steigen, den Standard und den Falter nach Hause zu bringen. Das Stadtcafé, wo ich zuerst schreiben wollte, hatte mich irgendwie nervös gemacht. Die Einheimischen schreien immer so, wenn sie reden.
In der Nachbarkapelle der von Lourdes – ich bin immer noch in der Kirche - befindet sich zu meinem Erstaunen in einer Ecke ein großer Bildschirm an der Wand – ich tät’ sagen: ein Fernseher. Was genaues weiß man nicht.
Bei meiner Kniebeuge vorm Verlassen der Kirche knackst vor allem mein linkes Knie ordentlich (welcher Orden? Franziskanisch? - der innere Spötter), aber ich habe mich eh mit Weihwasser bekreuzigt.
Bevor ich die Kirche tatsächlich verlasse, fällt mein Blick noch auf ein Bild über dem Broschürenkasten: der Tod des heiligen Franziskus, tät’ ich sagen; die Brüder umstehen ihn, der schon am Rücken liegt, und manche weinen. Die Engel aber, die die Seele des Sterbenden in Empfang nehmen wollen, mit ihren hellblau-esoterischen Flügeln, die schauen von Gesicht, Frisur und ihren flatternden Haaren und ihrer halbnackten Erscheinung her wie sehr irdische Weiber aus; nicht wie Gestalten einer anderen Welt.
(18.7.2026)
©Peter Alois Rumpf Juli 2026 peteraloisrumpf@gmail.com

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