Donnerstag, 16. April 2026

4423 Contenance

 



6:53 a.m.  Heute habe ich gegenüber meiner morgendlichen Angst die Contenance bewahrt. Sie ist da, das Zittern ist da, aber sie hat mich nicht überwältigt: ich bleibe beobachtend und gehe nicht unter. Etwas in mir bleibt ruhig und gerät nicht in Panik. Ich habe mich im Bett aufgesetzt und dass soeben die Heizung anspringt, beruhigt mich auch. Der Gedanke, ob das noch lange so weitergeht oder ob wir uns die Wohnung in Zukunft nicht mehr leisten werden können, hätte das Potential, mich wieder in Panik zu versetzen, aber ich lasse mich nicht ganz darauf ein. Ich spüre zwar das Vibrieren im Zwerchfell und merke das Zittern am Kinn, aber bleibe beherrscht. Ich denke: mein ganzes Leben mußte ich mit dieser Angst verbringen, jetzt muß ich auf meine alten Tage deswegen nicht mehr durchdrehen (trotz des immer näher rückenden Todes – der kann ja auch eine Erlösung sein). Ich atme tief durch. Dann drehe ich den Kopf hin und her. Spott und Selbstironie kommen lächelnd näher. Wieder atme ich tief durch. (Was sich liebt, das neckt sich.) Wieder in dunkle Regionen abgedriftet, aber ohne Gefahr. Und retour.

Meint jemand, aus dem Bett springen und los! wäre das Richtige? Du hast keine Ahnung! Wenn es sich vermeiden läßt, gehe ich nicht mit offener Angst in den Tag; die Hunde draußen riechen das.


(16.4.2026)


©Peter Alois Rumpf   April 2026  peteraloisrumpf@gmail.com

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