4444 Wie wahr!
9:04 a.m. (Ich schreibe in feierlicher Goldschrift, obwohl ich keinen Anlass dafür erkennen kann.) Der Tag hat ganz normal begonnen (ich schreibe ohne Leselicht, und die Goldfarbe des Pilotstiftes bekommt im Halbdunkel etwas Schmutziges, mit grünlichem Stich, aber nur leicht schimmert das manchmal auf). Ich könnte zu Fuß zu meinem Lieblingslokal gehen, wäre das ein guter Ansatz? Dieses kindlich naive Herz-Jesu-Bild, das da am Kassettenregal angetackert ist - freilich eine Reproduktion – mit diesem weißen Schlitz, der den Lanzenstich am Kreuz darstellt, schaut mich heute an und zieht meine Aufmerksamkeit auf sich (im Original – ich glaube, achtzehntes Jahrhundert - wurde das Papier der Zeichnung wirklich durchstochen). Aber warum? Gibt es überhaupt ein warum? Bevor ich dieses lächerliche Fragespiel weiterspiele, wende ich meine Aufmerksamkeit lieber der Tagesplanung zu. Ich muß vorm Weggehen schauen, ob meine Maipension schon überwiesen ist, denn davon hängt es ab, ob ich mich streng auf einen Cappuccino einschränken muß, oder ich ob mir im Espresso Burggasse eine fröhliche Drei-Cappuccini-Session mit allem Pi-Pa-Po leisten kann (drei Stunden bei nur einem Cappuccino herumsitzen ist ein wenig erbärmlich). Ach, mir rinnt schon das Wasser im Mund zusammen! Ich habe nachgerechnet: es sollten sich auch ohne Maipension zwei Cappuccini ausgehen. Achja, den Kauf des Medikaments, dessen Rezept ich gestern bestellt habe, muß ich auch noch einrechnen! Und die Goldschrift ist beim Eintippen immer so schwer lesbar (wie wahr! - der Tipper). Die REMbox werde ich auf jeden Fall mitschleppen.
(30.4.2026)
©Peter Alois Rumpf April 2026 peteraloisrumpf@gmail.com
